Foto der Rügener Küste mit bewaldeter Steilküste
 
24.09.12

Gummibären-OP mit Schere und Zange

Bergen (OZ) - Einmal selbst Hand anlegen im OP, alte medizinische Schätzchen bestaunen oder eine Hebebühnenfahrt mit Blick auf Bergen antreten — dazu hatten die Insulaner am Samstag Gelegenheit. Zum Jubiläum „150-Jahre Krankenhaus Bergen“ öffnete das Sana-Krankenhaus die Türen für Besucher. Fasziniert starrt Steffen Krempien auf den Bildschirm, während er mit einer OP-Zange versucht, nach einem Gummibärchen zu greifen. „Man sieht hier keine Tiefe, das ist schwieriger, als ich dachte“, verrät der junge Mann. Am Operationstrainer — einem runden Gefäß gespickt mit Instrumentenschächten, durch die bei einer Operation die Werkzeuge eingeführt werden — proben sonst die Chirurgieanfänger. „Scheren, Zangen, alles, was es beim Heimwerken gibt, haben wir hier auch“, sagt Andreas Stapel, Chefarzt der Chirurgie. Das spreche besonders die Männer an, verrät er lächelnd. Nebenan schiebt Schwester Antje Krüger einer Gummipuppe einen Kehlkopfspatel in den Mund, führt einen Tubus ein, hört die Lungenflügel ab und stellt die Beatmungsmaschine an. Gleichmäßig hebt und senkt sich der Brustkorb des Puppenmodels. „Es ist wichtig, dass beide Seiten gleichmäßig belüftet werden“, erklärt Krüger. Moritz Löbel hört aufmerksam zu: „Das letzte Mal, dass ich in einem OP war, war ich unter Vollnarkose“, sagt der 14-Jährige. Auch Papa Frank ist begeistert: „Toll, dass man mal erklärt bekommt, was im OP passiert. Als Patient werden häufig Geräte angeschlossen, von denen man keine Ahnung hat, da muss man Vertrauen haben.“ Gerade das sei oft das Problem bei kleinen Patienten, hat Thomas Hirsch, stellvertretender ärztlicher Leiter des Sana-Krankenhauses und Chefarzt der Kinderklinik beobachtet. „Wenn Kinder ins Krankenhaus müssen, ist das für sie fast immer eine Katastrophe und bedeutet auch für die Eltern Stress.“ Aus diesem Grund werden in der Kinderklinik, die über 30 Betten verfügt, in der Regel rund 15 Patienten und ein Elternteil aufgenommen. Das war nicht immer so: „Vor 40 Jahren konnten die Eltern ihre Kinder nur zu bestimmten Zeiten durch eine Glasscheibe beobachten“, erinnert sich Hirsch. Im Laufe der Jahre habe sich vieles verändert: „Heute gibt es völlig andere medizinische Möglichkeiten. Das Entscheidende ist aber, dass das Krankenhaus viel menschlicher geworden ist“, findet Hirsch. Heute stehe nicht die Krankheit, sondern der Mensch mit seinem sozialen Umfeld im Mittelpunkt, so Hirsch. „Im Hinblick auf die aktuellen Sparmaßnahmen ist es wichtig, dass wir dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren“, betont der Mediziner. Seit 1991 ist die Sana Kliniken GmbH Träger der Einrichtung. Neben der Fertigstellung mehrerer Bettenhäuser, der neuen Küche und des Funktionstraktes wurde 1999 die Kurzzeitpflege „Am Raddas“eröffnet. 2002 folgte das Hospiz. „Von Patienten hören wir oft, wie schön und hell das Krankenhaus ist“, verrät Hirsch. Stolz ist er auch auf das breit gefächerte medizinische Angebot, das es seit Gründung des Medizinischen Versorgungszentrums 2008 unter dem Dach des Krankenhauses gibt. „Bei uns herrscht eine familiäre Atmosphäre, viele Patienten sind Wiederholungstäter“, erklärt Azubi Jeanette Janiszewsky ihre Begeisterung den Arbeitsplatz. Auch der „11. Tag der Selbsthilfe und Gesundheit“ des Vereins Gesundheitsinsel Rügen findet zum Jubiläum mit diversen Aktionen im Krankenhaus statt: „Wir wollen Alternativen für ein gesundes Leben aufzeigen und dazu anregen, diese auch im Alltag umzusetzen“, erklärt Projektmanagerin Kathrin Harre. Heute gibt es völlig andere medizinische Möglichkeiten. Das Wichtigste ist, dass das Krankenhaus viel menschlicher geworden ist.“Thomas Hirsch, stellvertretender ärztlicher Leiter Sana-Krankenhaus 52 Ärzte arbeiten im Sana-Krankenhaus 420 Mitarbeiter arbeiten zurzeit im Sana- Krankenhaus in Bergen. 52 von ihnen sind Ärzte, als Pflegekräfte sind 220 Mitarbeiter im Einsatz. Hinzu kommen Beschäftigte aus den Bereichen Verwaltung und Technik. Auch der Nachwuchs ist mit 72 Auszubildenden im Krankenhaus vertreten. 14 Prozent der Patienten sind Nichtinsulaner. Jährlich werden rund 11 500 stationäre und 12 000 ambulante Patienten im Inselkrankenhaus behandelt. Rund 4000 Operationen werden pro Jahr in der Einrichtung in der Calandstraße durchgeführt. Seit dem 1. September 1991 ist die Sana Kliniken GmbH Träger des Krankenhauses. Wir wollen Alternativen für ein gesundes Leben aufzeigen und dazu anregen, diese auch im Alltag umzusetzen.“Kathrin Harre, Projektmanagerin Gesundheitsinsel Rügen

Von: Stefanie Büssing


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